Altersvorsorge für Paare - Wie starten und was braucht‘s?

Wenn es in der Partnerschaft um das Thema Finanzen geht, fallen viele Frauen aus dem Emanzipationszeitalter direkt zurück in die Steinzeit. „Mein Mann kümmert sich um die Finanzen“, heißt es dann oft und glauben sich auf der sicheren Seite. Spätestens bei einer Trennung kommt das böse Erwachen, denn mit dem Partner ist oft auch die Altersvorsorge weg, und die Altersarmut vorprogrammiert. Tipps, wie ihr das vermeiden könnt, findet ihr nachfolgend.

Ein offenes Gespräch ist die beste Basis

Die Planung der Altersvorsorge als Paar bedarf einiger Vorbereitung. Der erste Schritt ist ein offenes Gespräch und ein Kassensturz. Folgende Fragen können euch dabei weiterhelfen:

  • Welche finanziellen Ziele möchtet ihr gemeinsam erreichen?
  • Wie sieht es mit der Familienplanung aus?
  • Wann möchtet ihr in Rente gehen?
  • Wie möchtet ihr leben und was unternehmen, wenn ihr in Rente seid?
  • Wie groß ist eure aktuelle Rentenlücke?
  • Wer bringt wieviel Geld in die Beziehung und wie hoch sind eure beider Einkommen?
  • Was passiert im Falle einer Trennung?

Wenn ihr diese Fragen für euch beantwortet habt, geht es in die nächste Runde.

Die Kontoführung – dein, mein, unser Geld

Um die anfallenden Kosten der gemeinsamen Lebenshaltung zu bezahlen, gibt es folgende Möglichkeiten:

Gemeinsames Konto: Alle Einkünfte und Abbuchungen laufen über ein gemeinsames Konto. Der Vorteil ist, dass beide jederzeit einen Überblick über die finanzielle Situation haben. Außerdem wird davon die Altersvorsorge für beide Partner gedeckt.

Der Nachteil ist, dass es zum Streit kommen kann, wenn Uneinigkeit über die Verwendung des Geldes besteht.

Drei-Konten-Modell: Bei diesem Modell behält jeder sein eigenes Konto. Zusätzlich eröffnet ihr ein gemeinsames Konto. Darauf überweist ihr monatlich entweder anteilig vom jeweiligen Gehalt oder jeder die Hälfte der Kosten für die gemeinsame Lebensführung. Die Abbuchungen für gemeinsame Ausgaben werden per Dauerauftrag oder Barabhebung bezahlt.

Vom eigenen Konto gehen die persönlichen Kosten ab, wie Kleidung, Hobbies und natürlich Einzahlungen in die eigene Altersvorsorge.

Worauf es bei Versicherungen ankommt

Bei Versicherungen, die der Altersvorsorge dienen, z. B. Lebens-, Renten- oder auch Berufsunfähigkeitsversicherung, gibt es drei Funktionen:

  • der Beitragszahler,
  • der Versicherungsnehmer,
  • die versicherte Person.

Wenn z. B. der Ehemann für seine Frau eine Lebensversicherung abschließt, ist er Beitragszahler und Versicherungsnehmer. Seine Frau ist die versicherte Person. Anspruch auf die Versicherungsleistung hat aber einzig der Versicherungsnehmer (Ehemann). Deshalb ist es wichtig, dass die versicherte Person (Ehefrau) auch als Versicherungsnehmerin eingetragen wird.

In diesem Fall hat sie vollen Anspruch auf die Leistung, auch nach einer Trennung. Sie kann die Beiträge dann selber bezahlen oder die Versicherung beitragsfrei stellen.

Verstirbt der Ehemann, der gleichzeitig Versicherungsnehmer ist, geht die Versicherungssumme an die gesetzlichen Erben, sofern kein Testament besteht. Das können, bei heutigen Patchworkfamilien, z. B. seine eigenen Kinder sein. Die Ehefrau bekommt dann nur ihren gesetzlichen Anteil, was die Altersvorsorge deutlich schmälert.

Geldanlagen als Altersvorsorge

Bei der Führung von Depots gilt dasselbe wie beim Konto: ihr könnt jeder für sich ein Depot führen und/oder ein gemeinschaftliches Depot eröffnen. Im letzteren Fall solltet ihr vorher über eure Erwartung und Risikobereitschaft sprechen. Wie risikoreich darf die Anlage sein? Wie sieht für jeden das ideale Portfolio aus? Stimmen die Erwartungen überein, kann es losgehen. Gibt es Abweichungen, müsst ihr euch auf einen Kompromiss einigen. Das birgt jedoch Konfliktpotential, wenn z. B. die bevorzugte Anlage besser performt hätte, als die Kompromisslösung oder diese für einen von euch nicht zufriedenstellend ist.

Trennt ihr euch irgendwann, könnt ihr das Depot z. B. anteilig nach der Höhe der jeweiligen Einzahlungen trennen oder jedem die Hälfte zugestehen. Das gilt dann natürlich auch für Verluste.

Anschaffung von Immobilien zur Rentensicherung

Schafft ihr euch gemeinsam eine Immobilie an, solltet ihr euch über Folgendes im Klaren sein: steht ihr beide im Grundbuch, muss bei einer Trennung entweder einer von euch in der Lage sein, den anderen auszubezahlen und danach die Finanzierung alleine zu tragen oder die Immobilie muss - je nach aktueller Marktlage - vielleicht unter Wert verkauft werden. Danach werden entweder die entstandenen Schulden oder der Überschuss aufgeteilt.

Steht nur eine Person im Grundbuch, regelt ihr im Vorfeld, welchen Anteil der andere monatlich, z. B. als Mietzahlung, beisteuert.

Im Falle einer Trennung behält die im Grundbuch eingetragene Person die Immobilie und führt die Finanzierung alleine fort, der andere stoppt seine monatlichen Zahlungen und steigt ohne weitere Ansprüche aus dem Vertrag aus.

Fazit

Bei einer Scheidungsquote von 39% (Stand 2021) solltet ihr bei der gemeinsamen Ruhestandsplanung die rosarote Brille unbedingt absetzen und alle Eventualitäten besprechen. Die einfachste Lösung ist, dass jeder für seine Rente selber vorsorgt oder, falls dies nicht in Frage kommt, alles schriftlich zu regeln. Dazu braucht ihr keinen Notar. Ein von beiden unterschriebenes Schriftstück reicht aus. Im Falle einer Ehe regelt das der Ehevertrag.

In guten Zeiten alles fair, vernünftig und vor allem schriftlich zu regeln spart euch in schlechten Zeiten viel Ärger und Anwaltskosten. Und wenn das Glück doch für immer hält, könnt ihr ganz entspannt euren finanziell abgesicherten Ruhestand gemeinsam antreten und genießen.

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Uwe
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Uwe Lätsch hat Wirtschaftswissenschaften mit dem Fokus auf Finanzmanagement studiert. Vor seiner Zeit als Co-Founder von Vinlivt, hat Uwe bei renommierten FinTechs und InsurTechs digitale Lösungen entwickelt.

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